abgeschlossen 06/2025
Der überwiegende Anteil der Rotatorenmanschetten-Läsionen (RML) entsteht auf dem Boden natürlicher Degenerationsprozesse. Eine Abgrenzung einer akut-traumatischen RML ist im Einzelfall schwierig und wird häufig kritisch hinterfragt. Ziel des Forschungsvorhabens war die Früherkennung struktureller Schäden an der Schulter insbesondere der RML nach einem Unfall zu verbessern, um damit Rückschlüsse auf die Genese von RML ziehen zu können.
Personen zwischen 18 und 65 Jahren, die sich in der Notaufnahme nach einem akuten Unfallereignis der Schulter vorstellten, wurden direkt (Zeitpunkt 1, Z1) klinisch untersucht und innerhalb einer Woche einer MRT-Diagnostik (3-Tesla) unterzogen. Ausschlusskriterium waren u. a. Frakturen oder Schulterluxationen. Es wurden u. a. Fragen nach dem Traumamechanismus (Sturz auf gestreckten Arm, seitlich auf die Schulter etc.) der beruflichen Tätigkeit und Schulterbeschwerden vor dem Unfall gestellt sowie Scores erhoben Oxford Shoulder Score, Disabilities of the Arm, Shoulder and Hand (DASH)-Score, Constant & Murley score (CMS), Visuelle Analogskala Schmerz (VAS), Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS). Nach sechs Wochen (Zeitpunkt 2, Z2) wurde postalisch mit einem zweiten Fragebogen die zwischenzeitliche Behandlung, Dauer einer möglichen Arbeitsunfähigkeit, die klinische Funktion und die Schmerzen im Verlauf (Oxford, DASH, VAS) abgefragt. Neben deskriptiver Analyse erfolgten Gruppenvergleiche mittels ANOVA und die Untersuchung von Einflussfaktoren auf die Entstehung einer t-RML mittels logistischer Regression.
Insgesamt konnten n = 324 Patientinnen und Patienten eingeschlossen werden. In 31 Fällen (9,6 %) fanden sich transmurale Rotatorenmanschetten-Läsion (t-RML, 75 % Männer, 25 % Frauen), in n = 102 Fällen (31,5 %) Partialrupturen (p-RML) und in n = 191 (59 %) keine RML. In n = 24 Fällen der t-RML war nur eine Sehne, in n = 6 zwei Sehnen und in einem Fall drei Sehnen gerissen. Bei der Läsion der Supraspinatussehne zeigte sich das Alter als der wichtigste Prädiktor für eine RML (Ø 55 Jahre t-RML vs. Ø 43 Jahre mit p-RML, Ø 34 Jahre ohne RML, p < 0.001).
Die Bewegungsausmaße zeigten sich bei Nachweis einer t-RML signifikant schlechter, zudem war der Drop-arm-test bei t-RML als einziger RM-Test signifikant positiv zum Zeitpunkt 1. Im Vergleich der klinischen Scores zwischen den beiden Untersuchungszeitpunkten fand sich zwischen den drei Gruppen (keine RML, p-RML, t-RML) ein signifikanter Unterschied zwischen Z1 und Z2 im Sinne einer geringeren Verbesserung von DASH und CSM bei p-RML und t-RML gegenüber der Gruppe ohne RML. Innerhalb des logistischen Modells zeigte sich, dass das Alter und eine in der Vergangenheit bereits geschädigte Schulter die wichtigsten Prädiktoren für das Auftreten einer t-RML der Supraspinatussehne waren (OR = 1,13; p < 0.001 bzw. OR = 3,6; p = 0.021). Zwischen den verschiedenen Unfallmechanismen zeigte sich kein signifikanter Unterschied hinsichtlich der Häufigkeit von RML.
Die Daten zeigen, dass Alter und Vorschädigung signifikant mit t-RML und p-RML der Supraspinatussehne in Zusammenhang stehen. Der Traumamechanismus allein hat keinen signifikanten Einfluss auf eine Läsion der RM. Die Ergebnisse unterstützen die These degenerativer Einflüsse auf die Ruptur von Supraspinatussehnen bei akut-traumatischen Ereignissen.
-branchenübergreifend-
Gefährdungsart(en):-Verschiedenes-
Schlagworte:Rehabilitation
Weitere Schlagworte zum Projekt:Rotatorenmanschette, Schultertrauma