Psychische Gesundheit / Prävention 2/2026

Schnelle Hilfe nach einem Trauma

Weißer Schutzhelm im Vordergrund auf dem Boden einer Lagerhalle, im Hintergrund liegt eine Person nach einem Arbeitsunfall neben einem Gabelstapler. (Bild: Elena - stock.adobe.com)

Zeuge oder Zeugin von schweren Arbeitsunfällen zu sein, kann Traumata auslösen. (Bild: Elena - stock.adobe.com)

Die Gesundheit der Versicherten nach Arbeitsunfällen wiederherzustellen, ist Aufgabe der gesetzlichen Unfallversicherung. Das schließt auch psychische Störungen nach einem Trauma ein. Das Psychotherapeutenverfahren stellt die schnelle Versorgung auf hohem Niveau sicher. Damit setzt die gesetzliche Unfallversicherung Maßstäbe im deutschen Gesundheitswesen.

Ein Arbeits- oder Wegeunfall kann für Beschäftige traumatisch sein. So kann beispielsweise ein schwerer Maschinenunfall mit gravierenden körperlichen Verletzungen oder ein schwerer Verkehrsunfall neben körperlichen auch psychische Folgen nach sich ziehen. Auch in anderen Situationen können psychische Störungen ausgelöst werden, wenn Beschäftigte zum Beispiel Unfallzeugen werden, Erste Hilfe leisten oder gar Gewalt, Aggression oder sexualisierter Gewalt am Arbeitsplatz ausgesetzt sind. Entwickelt sich aus solchen Extrembelastungen eine psychische Störung, ist schnelle Hilfe gefragt. Denn sie verhindert, dass die Leiden chronisch werden, und sichert so die berufliche und soziale Teilhabe der Betroffenen.

ZITAT

Diese frühzeitig und intensiv ansetzende Behandlung zahlt sich aus. Die meisten Therapien führen schnell zum Erfolg.

Dr. Edlyn Höller

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Therapieplatz innerhalb einer Woche

Das Psychotherapeutenverfahren der gesetzlichen Unfallversicherung regelt die Versorgung nach traumatischen Ereignissen und zielt auf ein einheitliches und transparentes Vorgehen sowie eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten ab. Die Unfallversicherungsträger greifen dabei auf ein Netzwerk aus rund 900 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit besonderen Kenntnissen in der Traumabewältigung zurück.

„Das Psychotherapeutenverfahren ist im ambulanten Versorgungssystem und in unserem Reha-Management fest etabliert und ein nachhaltiger Erfolg“, berichtet Dr. Edlyn Höller, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der DGUV. „Es ermöglicht uns, unseren Versicherten schnell und unbürokratisch innerhalb nur einer Woche zu helfen. Diese frühzeitig und intensiv ansetzende Behandlung zahlt sich aus. Die meisten Therapien führen schnell zum Erfolg“, so Höller. Bei fast der Hälfte aller Betroffenen reichen nur fünf sogenannte probatorische Sitzungen aus, knapp 30 Prozent brauchen weniger als 10 weitere Behandlungsstunden. 15 Prozent der Betroffenen brauchen bis zu 30 Sitzungen und nur 10 Prozent sind Langzeitfälle mit mehr als 30 Behandlungseinheiten. Im Jahr 2024 wurden mehr als 9.500 Versicherte abschließend behandelt.

Rund 900 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit besonderen Kenntnissen bilden das Netzwerk der Unfallversicherungsträger.

Hohe Dunkelziffer vermutet

In der Praxis werden Geschehnisse nicht immer gemeldet, etwa wenn keine Arbeitsunfähigkeit besteht oder kein körperlicher Schaden ersichtlich ist. Dabei kann auch für Zeuginnen oder Zeugen sowie Ersthelfende ein Arbeitsunfall traumatisch sein. Ebenso wird verbale Gewalt am Arbeitsplatz durch Bedrohungen oder Beleidigungen häufig noch bagatellisiert oder sexualisierte Gewalt nicht als möglicher Arbeitsunfall erkannt. „Wir gehen von einer hohen Dunkelziffer fehlender Meldungen aus und hoffen, dass Aufklärungskampagnen und die öffentliche Diskussion über psychische Belastung und deren Folgen zu einer stärkeren Sensibilisierung führen“, erklärt Höller.

Mit dem Angebot, kurzfristig eine Psychotherapie beginnen zu können, hat die gesetzliche Unfallversicherung ein Alleinstellungsmerkmal im deutschen Gesundheitswesen. Trotz des allgemeinhin steigenden Bedarfes an Therapieplätzen soll das Netzwerk gestärkt und ausgebaut werden. Neue, mittlerweile erprobte Instrumente wie die Videotherapie wurden fest etabliert und helfen, auch die Versorgung im ländlichen Raum abzudecken. Die vergangenen Jahre zeigen: Die Investition in eine frühe, intensive Therapie ist maßgeblich dafür, dass betroffene Menschen schnell wieder im vollen Umfang am beruflichen und sozialen Leben teilhaben können.

Erfahren Sie mehr zum Psychotherapeutenverfahren der gesetzlichen Unfallversicherung .

GUT ZU WISSEN

Publikation „Meldung von traumatischen Ereignissen“

Welche Ereignisse können traumatisch sein, wie geht der Betrieb damit um und wie erfolgt die Meldung an den Unfallversicherungsträger? Die Publikation „Meldung von traumatischen Ereignissen“ fasst die wichtigsten Informationen zusammen.

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Sind Sie vorbereitet für den Ernstfall?

Die DGUV Information 206-017: Gut vorbereitet für den Ernstfall! Standards im Umgang mit traumatischen Ereignissen im Betrieb gibt Hilfestellungen für Betriebe.

Im Anhang der Publikation finden Sie eine Vorlage für einen Notfallplan, den Sie für die Vorbereitung nutzen können.

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