Risiko Hitze
Regelmäßige Trinkpausen und ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind wichtige Maßnahmen, um Beschäftigte bei hohen Temperaturen vor hitzebedingten Gesundheitsrisiken zu schützen. (Bild: DG PhotoStock / stock.adobe.com)
Hitze führt nicht nur zu Umwelt- und Gesundheitsproblemen, sie ist zudem ein wirtschaftlicher Risikofaktor. Mit steigenden Temperaturen sinkt die Produktivität, die Fehleranfälligkeit nimmt zu, es kommt zu mehr Krankheitstagen und damit zu spürbaren Folgen für Unternehmen und Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund gewinnt der betriebliche Hitzeschutz an strategischer Bedeutung.
Die Auswirkungen hoher Temperaturen auf die Arbeitsleistung sind wissenschaftlich gut belegt. Bereits moderate Temperaturanstiege beeinträchtigen die Konzentration und Leistungsfähigkeit. Besonders betroffen sind Arbeitsplätze im Freien sowie körperlich belastende Tätigkeiten, etwa in der Bauwirtschaft, Landwirtschaft, Pflege und Logistik. Aber auch Menschen in Büros sind von den Auswirkungen hoher Innentemperaturen betroffen. Die Studie „Klimabedingte Risiken für die Arbeitswelt“, die im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales durchgeführt wurde, geht davon aus, dass pro zusätzlichem Grad Temperaturanstieg Produktivitätseinbußen von mehreren Prozentpunkten auftreten können. Damit wirkt sich der Klimawandel unmittelbar auf die Arbeitswelt und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit aus.
Hitze als Gesundheitsrisiko
Auch die Arbeitsmedizin sieht Hitze als ernstzunehmende Gefährdung. Sie kann zu Dehydrierung, Erschöpfung, Hitzekrämpfen oder sogar zu lebensbedrohlichen Hitzschlägen führen. Sie verstärkt bestehende Gesundheitsprobleme, insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ergebnisse aus der DGUV-Befragung „Klimawandel und Gesundheit in Betrieben“ sowie dem DGUV Barometer Arbeitswelt 2026 Krisenresilienz zeigen, dass viele Unternehmen die Risiken wahrnehmen, jedoch bislang noch keine systematischen Maßnahmen umgesetzt haben. Auch der Abschlussbericht der Politikwerkstatt „Klima wandelt Arbeit“ unter der Federführung des BMAS und Beteiligung der DGUV kommt zu diesem Schluss. Hitzebelastungen werden in Gefährdungsbeurteilungen bislang oft unterschätzt oder unzureichend berücksichtigt. „Hitzeschutz ist aber kein „Nice-to-have“, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Präventionspolitik und ein Schlüssel zur Stärkung der Resilienz von Unternehmen und Beschäftigten“, erklärt Dr. Stephan Fasshauer, Hauptgeschäftsführer der DGUV.
Was sollten Unternehmen tun?
Hitzeschutz ist Arbeitsschutz. Er sollte zudem mit UV-Schutz zusammen gedacht werden. Arbeitgebende sind verpflichtet, Gefährdungen der Beschäftigten zu beurteilen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen empfehlen ein systematisches Vorgehen. Hitze muss in der Gefährdungsbeurteilung als Risikofaktor erfasst werden – sowohl für Außen- als auch Innenarbeitsplätze. Entsprechende Maßnahmen nach dem TOP-Prinzip, also technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen, werden daraufhin abgeleitet. An dieses Prinzip knüpft die Erstellung betrieblicher Hitzeschutzpläne an. Dieser definiert Verantwortlichkeiten und legt klare Abläufe fest.
In 6 Schritten zu einem betrieblichen Hitzeschutzplan
1. Relevante Personen identifizieren und für Hitzeschutz sensibilisieren
2. Arbeitsbereiche und Tätigkeiten systematisch strukturieren
3. Hitze- und UV-Belastung erfassen und beurteilen
4. Geeignete Hitzeschutzmaßnahmen festlegen und umsetzen
5. Hitzeschutzmaßnahmen klar kommunizieren
6. Maßnahmen regelmäßig evaluieren und kontinuierlich verbessern
(Quelle: Handlungshilfe für Hitzeschutzpläne im Betrieb - BMAS - Arbeit: Sicher+Gesund)
Hitzeschutzpläne machen handlungsfähig
Hitzeschutzpläne erhöhen nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Handlungsfähigkeit von Unternehmen in extremen Situationen – ein zentraler Aspekt betrieblicher Resilienz. „Für Unternehmen gibt es vielfältige Herausforderungen, das zeigt das DGUV Barometer Arbeitswelt sehr deutlich. Nicht alles ist gleichzeitig möglich. Aber wer die Gefährdungsbeurteilung als Instrument etabliert hat, für den ist es ein überschaubarer Schritt zum Hitzeschutzplan für das gesamte Unternehmen, so Fasshauer. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen beraten und unterstützen Unternehmen und Einrichtungen, Hitzeschutz in die betriebliche Praxis zu integrieren.
ZITAT
Hitzeschutz ist kein „Nice-to-have“, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Präventionspolitik.
Weitere Informationen
- Trendbeschreibung „Klimaveränderungen“ (Institut für Arbeitsschutz der DGUV) Klimaveränderungen | DGUV Publikationen
- Befragungen zum Thema Klimawandel und Gesundheit in Betrieben (Aus der Arbeit des IAG Nr. 3133) | DGUV Publikationen
- Abschlussbericht Politikwerkstatt „Klima wandelt Arbeit“
- BMAS Handlungshilfe für Hitzeschutzpläne im Betrieb
- Bericht zur Prognos-Studie „Klimabedingte Risiken für die Arbeitswelt“
GUT ZU WISSEN
Aus der Praxis – Hitzeschutz im BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin
Immer stärker werdende sommerliche Hitze ist im Krankenhaus eine mehrfache Belastung: Die Patientinnen und Patienten müssen intensiver versorgt werden, teilweise verschlechtern sich Symptome und der Allgemeinzustand. Gleichzeitig wird die Arbeit für die Pflegekräfte körperlich noch anstrengender. Pflegekraft und stellvertretende Klimamanagerin Ulrike Krohl und Nachhaltigkeits-Referentin Annegret Dickhoff berichten, wie sich die BG Kliniken und das Unfallkrankenhaus Berlin auf den Weg gemacht haben, um Patientinnen und Patienten und die Belegschaft besser zu schützen und zu entlasten.
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