Studie zur Allergieentwicklung bei Berufseinsteigern beim Umgang mit Tieren

(Längsschnittstudie)

Projektkürzel: IPA-109-AllergoVet

Projektlaufzeit: 2019 - 12/2025

Deskriptoren: Berufsanfänger, arbeitsbedingte Erkrankungen, allergisierende Stoffe, Umgang mit Tieren

Anlass / Ziel:

Allergien sind komplexe Erkrankungen, an denen etwa 20% der Bevölkerung leiden mit steigender Tendenz. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass in Deutschland von den 14-17 Jährigen rund 7% an einem Asthma bronchiale erkrankt sind, 16-20% an einer allergischen Rhinitis und 11-15% an einem atopischen Ekzem, 7-21% an einem allergischen Kontaktekzem und über 40% eine allergische Sensibilisierung aufweisen. Es wird prognostiziert, dass bald jeder zweite von einer Allergie betroffen sein wird. Somit kann man davon ausgehen, dass immer mehr Berufseinsteiger eine allergische Prädisposition mitbringen und ihre Ausbildung bzw. ihr Studium auch in Bereichen beginnen werden, die ein erhöhtes Sensibilisierungsrisiko mit sich bringen. Hierzu gehört auch die Veterinärmedizin mit vielfältigen und unterschiedlichen Expositionen.

Ziel des Projektes ist die Erfassung und Bewertung des Einflusses der Tierallergenbelastung auf die Entwicklung von Sensibilisierung und allergischen Beschwerden bei Studierenden der Veterinärmedizin sowie Berufsanfängerinnen und Berufsanfängern in der Tierhaltung und -pflege im Rahmen einer Längsschnittstudie in Deutschland.

Umsetzung des Projekts

 

Insbesondere Längsschnittstudien mit Berufsanfänger bzw. Erstsemestern als Berufseinsteiger sind geeignet, um substanzielle Aussagen zum Risiko der Entstehung von berufsbedingten Atemwegserkrankungen zu machen, da sich in den ersten zwei bis drei Jahren nach Beginn der ersten Allergenexposition die höchste Inzidenz für die Entstehung von arbeitsplatzbezogenen Beschwerden zeigt. Dieser Zeitraum von mindestens fünf Jahren findet als Untersuchungsfenster im Rahmen dieser Studie bei den Studienanfängerinnen und Studienanfängern des Bereiches Veterinärmedizin besondere Beachtung.

Das Studienkollektiv umfasst Erstsemester (Rekrutierung im WS 2013/14, 2014/15, 2015/16 und 2016/17) des Fachbereichs Veterinärmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen. Es wird angestrebt, am Ende der Studie einen vollständigen Datensatz von 200 Studierenden zu haben. Die Eingangsuntersuchung der Studienanfänger vor Beginn der ersten Exposition umfasst neben einem umfangreichen Fragebogen zur Erfassung der bisherigen Erkrankungen (auch Impfungen) und der häuslichen/privaten Exposition auch eine medizinische Untersuchung zur Dokumentation des Gesundheitszustandes (Lunge und Haut, letzteres mittels Fotodokumentation) sowie serologische Untersuchungen u.a. zur Bestimmung von Sensibilisierungen. Im Laufe ihres Studiums werden die Studienteilnehmer und ggf. darüber hinaus einmal pro Jahr in gleichem Umfang erneut untersucht.

Begleitend wird eine umfangreiche Expositionserfassung durchgeführt, die sowohl den häuslichen Bereich der Studienteilnehmer als auch den universitären Campus und das Versuchsgut, auf dem die Studierenden Praktika absolvieren, beinhaltete. Neben den Studierenden der Veterinärmedizin werden in einem forschenden Unternehmen der chemischen Industrie (versicherter Betrieb der BG RCI) Auszubildende zum Biologielaborant (Labortierexposition) und zur Kontrolle Auszubildende aus dem kaufmännischen Bereich ebenfalls im Längsschnitt untersucht. Im Vorfeld wurden in mehreren Bereichen der Tierhaltung und -untersuchungen Allergenexpositionsmessungen durchgeführt. Die Verschleppung der (Labortier-)Allergene in den häuslichen Bereich der Auszubildenden wird mit Hilfe von Passivsammlern einmal jährlich erfasst.

Durch die Kommunikation dieser Ergebnisse gemeinsam mit den Unfallversicherungsträgern unter Einbeziehung aller Beteiligten können sowohl organisatorische Maßnahmen als auch Verhaltensänderungen festgelegt und umgesetzt werden.