Analyse des Bewegungsverhaltens bei hybrider Arbeit

Person die an einem Schreibtisch mit Bewegungssensoren sitzt

Proband mit Bewegungssensor am Büroarbeitsplatz
Bild: IFA

Die zunehmende Verbreitung von Bildschirmarbeit prägt den Arbeitsalltag vieler Beschäftigter und geht häufig mit einem reduzierten Maß an körperlicher Aktivität einher. Ausgehend von der Annahme, dass insbesondere die Etablierung hybrider Arbeitsformen und des Homeoffice diesen Trend weiter verstärken könnte, untersuchte das IFA im Auftrag der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) in einer Feldstudie das Bewegungsverhalten von Beschäftigten beim ortsflexiblen Arbeiten im Büro und im Homeoffice. Im Mittelpunkt standen sedentäres Verhalten (Körperhaltung sitzend/liegend, Energieverbrauch nicht erhöht), lange Sitzzeiten sowie mögliche gesundheitliche Risiken und präventive Ansatzpunkte.

Langes Sitzen gilt als relevanter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und muskuloskelettale Beschwerden. Die Studie griff diese Problematik auf und analysierte das Bewegungsverhalten von 52 hybrid arbeitenden Personen an Bildschirmarbeitsplätzen. Mithilfe eines am Oberschenkel getragenen Sensors und einer Auswertung mittels CUELA-Methode wurden Körperhaltungen, Haltungswechsel, Aktivitätsniveaus, Schrittzahlen sowie lange Sitzintervalle über eine ganze Arbeitswoche erfasst. Die Auswertungen bezogen sich sowohl auf die reine Arbeitszeit als auch auf die gesamte Wachzeit der untersuchten Tage. Zusätzlich wurden soziodemografische sowie arbeitsorganisatorische Aspekte abgefragt und die Teilnehmenden füllten standardisierte Fragebögen zu muskuloskelettalen Schmerzen und Schlafqualität aus.

Die Ergebnisse zeigen sowohl bei der Arbeit im Homeoffice als auch im Büro einen hohen Anteil sedentären Verhaltens. Besonders deutlich waren lange ununterbrochene Sitzintervalle: Während der Arbeitszeit im Homeoffice entfielen rund 46 Prozent der Arbeitszeit auf Sitzphasen von mindestens 30 Minuten, im Büro etwa 39 Prozent. Gleichzeitig zeigte sich jedoch, dass viele Beschäftigte diese Phasen erhöhter Inaktivität über den gesamten Tag hinweg teilweise ausglichen. Bei Betrachtung der Wachzeit näherten sich die Bewegungsprofile stärker an, da über den gesamten Tag im Homeoffice häufiger leichte körperliche Aktivität sowie mehr Wechsel zwischen sitzenden und nicht sitzenden Tätigkeiten beobachtet wurden. Weder bezüglich der muskuloskelettalen Beschwerden noch bezüglich der Schlafqualität zeigten sich Zusammenhänge oder Abhängigkeiten zu den Anteilen an sedentärem Verhalten, Stehen oder Bewegen.


Bewertungsschema für einen gesunden Aktivitätsmix bei der Arbeit
Bild: IFA

Insgesamt verdeutlicht die Studie, dass individuelle Faktoren und flexible Arbeitsbedingungen das Bewegungsverhalten maßgeblich beeinflussen. Daraus ergeben sich Ansatzpunkte für präventive Maßnahmen, etwa durch eine bewegungsförderliche Arbeitsgestaltung, gezielte Pausenimpulse oder Empfehlungen für aktive Ausgleichsphasen. Die kontextbezogene Analyse des Bewegungsverhaltens (Arbeitsort, Arbeit/Freizeit) stellt eine geeignete Grundlage dar, um gesundes Arbeiten im Rahmen hybrider Arbeitsformen weiterzuentwickeln.


Veröffentlichungen

Wechsel, K. und Weber, B.: Studie zur Analyse des Bewegungsverhaltens beim hybriden Arbeiten. DGUV forum 9/2026

Weber, B. et al.: Proposal for the Assessment of Technically Measured Physical Activity and Sedentary Behavior at the Workplace. Proceedings of the 22nd Congress of the International Ergonomics Association, Vol. 6 (2025). Springer, Singapore
DOI: https://doi.org/10.1007/978-981-96-8904-0_3

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