Augen- und Muskel-Skelett-Beschwerden bei der Bildschirmarbeit im Homeoffice: Erkenntnisse aus einer Online-Befragung

Häufigste Gestaltungsmerkmale im Homeoffice
Bild: DGUV

Seit der COVID-19-Pandemie gehört das Arbeiten am heimischen Bildschirm für viele zum Arbeitsalltag. Das bedeutet eine flexiblere Arbeitsgestaltung, birgt aber auch Herausforderungen für die körperliche Gesundheit. Augenprobleme und Muskel-Skelett-Beschwerden (MSB) stehen dabei im Fokus. Das Institut für Arbeitsschutz (IFA) und das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin (IPA) der DGUV haben in einem gemeinsamen Forschungsprojekt die Auswirkungen der Homeoffice-Arbeit auf die Gesundheit untersucht. Das Projekt wurde auf Initiative der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) und der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) durchgeführt.

Herausforderungen im Homeoffice: Schwerpunkt Ergonomie

Mit der zunehmenden Verlagerung von Bildschirmarbeit ins Homeoffice gehen veränderte und weniger einheitliche Arbeitsbedingungen einher, deren gesundheitliche Auswirkungen bislang nur begrenzt untersucht sind. Insbesondere fehlen Erkenntnisse dazu, wie Arbeitsaufgaben und ergonomische Gestaltung im häuslichen Umfeld mit körperlichen Beschwerden zusammenhängen. Vor diesem Hintergrund führten die Forschenden zwischen September 2023 und April 2024 eine Online-Befragung bei Beschäftigten an Bildschirmarbeitsplätzen durch, um den Zusammenhang zwischen Beschwerden, Arbeitsaufgaben und ergonomischer Arbeitsplatzgestaltung im Homeoffice zu untersuchen. Die Rekrutierung der Teilnehmenden erfolgte über mehrere Unfallversicherungsträger (BGHM, VBG, UKH, BGHW, UVB) und die DGUV.


KI generiertes Bild welches zwei Frauen abbildet. Aud der linken Seite ist eine Frau mit einem Laptop auf ihrem Schoß, auf einer Couch. Auf der rechten Seite ist eine Frau die an einem Computer an einem Schreibtisch arbeitet.

Beispiele für ungünstige und günstige Ergonomie an verschiedenen Arbeitsplätzen
Bild: IFA; KI-generiert mit ChatGPT

Für die Studie wurden 1.070 Fragebögen ausgewertet. Dabei kamen validierte Instrumente zur Erfassung von Beschwerden wie Nacken- und Rückenschmerzen sowie Augenproblemen zum Einsatz. Zudem wurde die ergonomische Qualität der Homeoffice-Arbeitsplätze mit neu entwickelten Bewertungsmodellen analysiert, die an die Empfehlungen zur Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen angelehnt sind:

  • ICT work Musculoskeletal Ergonomic Score (MES): Beurteilung der Arbeitsplatzmerkmale hinsichtlich der Auswirkungen auf das Muskel-Skelett-System;
  • ICT work Visual Ergonomic Score (VES): Bewertung des Arbeitsplatzes in Bezug auf mögliche Belastungen der Augen.

Zentrale Ergebnisse der Studie

  • Muskel-Skelett-Beschwerden:
    Die deutliche Mehrheit der Teilnehmenden (683) erreichten einen MES im Bereich ergonomisch günstiger Ausstattung im Homeoffice, bei nur sehr wenigen war der Score im Bereich "ungünstig/schlecht" einzuordnen. Eine unzureichende ergonomische Ausstattung erhöhte das Risiko für Beschwerden, insbesondere im Nacken- und Rückenbereich. Frauen berichteten häufiger von Muskel-Skelett-Beschwerden als Männer. Auch bei Personen mit psychischen Belastungen wie Angst- oder Depressionssymptomen traten MSB häufiger auf.
  • Augenbeschwerden:
    Nur etwa die Hälfte der Befragten erreichte einen VES im Bereich einer günstigen Ergonomie ihres Arbeitsplatzes hinsichtlich der Augenbelastung. Augenbeschwerden am Bildschirmarbeitsplatz zeichnen sich durch das Auftreten verschiedener Symptome auf und können bei längerer Nutzung von Bildschirmgeräten (Computer, Laptop, Smartphone o.a.) auftreten. Häufige Symptome bei den Teilnehmenden waren brennende Augen und ein Gefühl verschlechterter Sicht. Das sogenannte Digital-Eye-Strain (DES) trat besonders häufig bei unzureichender ergonomischer Ausstattung, bei Personen mit Sehhilfe und bei Frauen auf und ging häufig mit MSB einher, besonders im Nacken, in den Schultern und im Rücken.
  • Einfluss der Tätigkeiten:
    Die Art der ausgeführten Arbeiten zeigte keine deutlichen Unterschiede zwischen Büro und Homeoffice. Lediglich die Anzahl an Videokonferenzen war im Homeoffice signifikant höher.

Perspektiven für eine gesunde Bildschirmarbeit

Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung auch im Homeoffice ist. Insbesondere die präventive Unterweisung von Beschäftigten kann dazu beitragen, Beschwerden vorzubeugen. Diese sollte sich an bewährten Empfehlungen für Bildschirmarbeitsplätze im Betrieb orientieren.


Veröffentlichungen

Muskel- und Skelett-Beschwerden bei mobiler Bildschirmarbeit – Ergebnisse einer Online-Befragung des IPA und IFA ( IPA Aktuell Nr. 20 (PDF, 348 kB, barrierefrei) ). 06.2025

Casjens, S., Griemsmann, S. et al: Changes in Musculoskeletal Pain Among Computer Workers When Working From Home. J Occup Environ Med. 67(5). 05.2025 S. 363-370

Behrens, T.; Griemsmann, S. et al: Computer Vision Syndrome Before and After the SARS-CoV-2 Pandemic: New-Symptom Onset and Workplace Setup of Visual Display Terminals. J Occup Environ Med. 67(11).11.2025 S. 962-969.

Griemsmann, S.; Rissler, J. et al: Eye and musculoskeletal complaints when working from home with a visual display terminal in the last four weeks. PREMUS 2025. 12th International Scientific Conference on the Prevention of Work-Related Musculoskeletal Disorders. Tübingen, 09.-12.09.2025.
DOI: 10.3205/25premus080

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